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Die Neefer Brücke von Franz Josef Blümling

Nach der Fertigstellung des Moselkanals hatte man ein Problem mit der Ponte. Als Gierfähre funktionierte sie nicht mehr aufgrund der veränderten Stromverhältnisse. Die Anbringung eines Motores brachte nicht die angestrebte Lösung, da insbesonders unberechenbare Strudel im Fluss gefährliche Situationen haben aufkommen lassen. Der Bau einer Brücke wurde in die Diskussion gebracht. Hierzu findet sich in der Ortschronik folgende Eintragung: „Die Gemeinde-Gierfähre Neef – Bremm – St. Aldegund befindet sich nur etwa 100 m unterhalb der Schleusenausfahrt der Moselstaustufe. Die Fähre ist seit geraumer Zeit außer Betrieb gesetzt. Für die Zukunft ist es unmöglich, dass an dieser Stelle überhaupt ein Fährbetrieb aufrechterhalten bleibt. In Voraussicht der Weiterungen, die in Folge des Baus der Moselstaustufe klar erkannt waren, hatte die Gemeindevertretung von Neef die zuständigen Behördenstellen auf diese sich ergebenden Umstände hingewiesen und beantragt, im Rahmen des Bauobjekts gleichzeitig eine beide Moselufer verbindende Brücke zu bauen.“

Dieser Antrag wurde abgelehnt. Es ergab sich nun eine Planung, die Fähre ca. 400 m unterhalb ihres Standortes zu verlegen, so dass sie sich dann mitten in der scharfen, unterhalb des Ortes gelegenen Moselkrümmung befunden hätte. Doch diese Absicht war, wie es sich schnell herausstellte, unqualifiziert, da die aus Betriebssicherung nötige Geländeübersicht nicht gegeben war.

Die Einwohner der Gemeinde Neef einerseits sowie der Gemeinde Bremm andererseits besitzen hüben wie drüben ein beträchtliches Weinbergs-, Garten- und Waldareal. Der kürzeste Weg, also der über die Moselfähre, wurde mit der Stilllegung der Fähre beiden Gemeinden genommen. Es blieb nur noch eine Verbindung nach beiden Moselufern über die Eisenbahnbrücke in Bullay, eine Strecke von 24 km hin und zurück. Was dies in wirtschaftlicher Hinsicht bedeutete braucht nicht näher dargestellt zu werden. Die Einwohner von Neef und Bremm konnten sich mit den gegebenen Umständen nicht abfinden. Der Beweis dafür liegt in der Tatsache begründet, dass binnen kurzer Zeit siebzig schriftliche Beschwerden allein aus Neef der Gemeindeverwaltung zugegangen waren, die unverzüglich über Amtsverwaltung und Landratsamt an die Bezirksregierung in Koblenz weitergereicht wurden, wobei Landrat und Amtsbürgermeister dem Regierungspräsidenten die dringende Empfehlung gaben, dem Brückenbau zuzustimmen. Man war zudem überzeugt davon, dass auch die zuständige Wasserbaubehörde, also die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes, ihrerseits das nötige Verständnis zeigt, was sich später auch so bestätigen sollte.

Am 15.07.1965 kam es dann endlich zu der historischen Gemeinderatssitzung, in der man formell beschließen konnte, die Brücke zu bauen, „ ... weil infolge der durch den Staustufenbau entstandenen Strömungsverhältnisse ein geordneter Ponten-Fährbetrieb nicht mehr möglich ist.“ Die Finanzierungskosten verteilten sich als Ergebnis der intensiven Erörterungen wie folgt: Gesamtkosten lt. Anschlag 2 650 000 DM, davon 1 650 000 DM Zuschuss des Landes Rheinland-Pfalz, der Rest zu etwa 1/3 als kommunaler Anteil und zu 2/3 der Abfindungsbetrag der Moselbaugesellschaft. In der gleichen Sitzung wurde auch das Schicksal der Ponte entschieden. Sie wurde an einen Ruderverein in Andernach verkauft.

Im November 1966 war es dann endlich so weit, dass die Linienführung der Brückenauffahrt auf der Neefer Seite festgelegt werden konnte. Die Gemeindeverwaltung, wurde anlässlich einer Ortsbesichtigung durch das Straßenbauamt Cochem über das Projekt in Kenntnis gesetzt und stimmte der Planung zu. In einer Bürgerversammlung wurde mit den betroffenen Grundstückseigentümern verhandelt.

Die Brückenbauarbeiten gingen nun zügig voran. Am 15. März 1971 fand die offizielle Einweihung der Brücke statt. Unter den vielen Ehrengästen befand sich auch der damalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und spätere Bundeskanzler Helmut Kohl.


Ministerpräsident Helmut Kohl schreitet zur Einweihung der Brücke

 
 
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Literaturnachweise:
  Chronik der Gemeinde Neef
Lange, Gerhard Von der Ponte zur Brücke von Neef, in: Jahrbuch 1989 für den Kreis Cochem Zell
Bildnachweise:
  Ansicht von Neef mit Brücke - Edeltrud Gietzen, Neef
Einweihung der Brücke - Alfons Kreuter, Neef
im nächsten Kapitel: Die schlimmen Hochwasser
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