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So entstand das Kloster Stuben von Franz Josef Blümling

Ruine vom Kloster Stuben, wie es Rooke gezeichnet hat

Wir schreiben das Jahr 1136. Auf einer Insel im Moselfluss, die sich Stupa nannte, wohnte zu jener Zeit der fromme und edle Laie Egelolf. Er war sehr begütert und führte in Abgeschiedenheit mit seiner Familie und den Verwandten ein gottgefälliges Leben. Seine einzige Tochter Gisela hatte er dem edlen Ritter von Huntheim versprochen. In seiner eigenen Kapelle wollte Egelolf den Bund fürs Leben schließen lassen. Die Vorbereitungen für das anstehende Hochzeitsfest liefen schon, wobei die Moselauen gerade jetzt in der Frühlingszeit den herrlichsten Blumenschmuck hergaben. Und hoch oben von den Nussbäumen schmetterten die Nachtigallen so freudig ihren Gesang als probten sie voll Begeisterung das Hochzeitsständchen.

Giselas Bräutigam hatte sich bereits nach Trier begeben, um seine Freunde zu der Feier abzuholen.

Doch, wie sollte es anders kommen!

„Gisela saß an einem bedeutsamen Tage in ihrer Laube – ungeduldig wartend auf ihren ritterlichen Bräutigam. Die Sonne hielt mit ihr den ganzen Tag Ausschau. Auch als die Sonne ermüdend im Westen versank harrte Gisela immer noch aus, da ihre Liebe niemals ermüdete.

Endlich erhielt sie den Lohn für ihre Mühe. Da – die Klippen umwindend – eine prächtige Barke! Galant kam sie entlang und immer näher glitt sie, bis sie ihren geliebten Ritter erblickte, der begierig zu ihr aufschaute. Als er Gisela sah, rief er sie freudig an und alle seine Freunde winkten ihr zu. Seine Glut konnte nicht gedrosselt werden zu der langsamen Bewegung des Schiffes, und er sprang – gewiss zu voreilig – landwärts, um endlich seine ehrliche Braut zu umarmen. Aber der Sprung ging in’s Wasser, und der gute Ritter sank hinab, überwältigt vom Gewicht seiner Begeisterung (oder auch wegen der Schwere seiner Rüstung – Anmerkung des Autoren). Er tauchte nie wieder lebend auf.

Gisela weinte nicht, aber ihr Busen wurde kalt wie das Wasser, das sich über dem Kopf ihres Liebsten geschlossen hatte. Sie widmete ihre jungfräuliche Reinigkeit Gott und begehrte Nonne zu werden.

Stumm ist sie hingegangen.
Das Aug’ war tränenleer,
von wildem Schmerz umfangen.
Nichts bot das Leben mehr
Trotz Lenz und Nachtigallen,
trotz Duft und Sonnenschein,
in eines Klosters Hallen
schloß sich die Treue ein.“

Schon bald, es war im nachfolgenden Jahr, vermachte Giselas Vater sein Haus mit einer Kapelle, Geld, Weingärten und alles was er an der Mosel besaß dem Kloster Springiersbach dergestalt, dass auf der Insel Stupa ein Kloster erbaut wird. Dies geschah so. Das Mönchkloster in Springiersbach erhielt die Aufsicht über das Nonnenkloster Stuben, in das nur Töchter des Adels eintreten durften. Gisela wurde die erste Äbtissin.

„ Und als Äbtissin führte
sie ernst und mild den Stab.
Mit Rosen stets sie zierte
des frühverstorb’nen Grab,
bis dass am Lenzesmorgen
sie war die Rose bleich,
enthoben allen Sorgen
an Ruh’ und Frieden reich.“

 
 
erschienen in:
Heimat zwischen Hunsrück und Eifel, Beilage der Rheinzeitung, Nr. 3, März 2000
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Goerz, Adam - Mittelrheinregesten
Rooke, Oktavius - Life of the Moselle - bezieht sich vermutlich auf eine Aufzeichnung des Chronisten Caesarius von Heisterbach
Bildnachweise:
  Rooke, Oktavius - Life of the Moselle
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