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Über die Wolllust der Grafenfrau von Franz Josef Blümling
In der Neefer Burg, residierte dereinst Graf Gottfried von Sponheim vermutlich in der Funktion als Schultheiss für den Ort. Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa oder Kaiser Rotbarth genannt, hatte 1189 zum Dritten Kreuzzug aufgerufen. Wie so viele tapfere Adelmannen aus dem Trierer Reich war auch Gottfried dem Aufruf zum Kampf gegen die Heiden, die das Heilige Land besetzt hatten, gefolgt.

Und zu Hause in der Neefer Burg, so könnte es gewesen sein, verzehrte sich seine liebste Burgfrau und wusste vor Sehnsucht weder ein noch aus.

Der Geist der Unzucht überfiel sie und ließ sie nicht allein. Denn plötzlich war sie so in Glut versetzt, dass sie hin und her rannte und nicht stehen noch sitzen konnte, als hätte sie glühendes Eisen im Schenkel. Da sie das Feuer der Liebe nicht ertragen konnte, ging sie, ihre Keuchheit vergessend, hinab zu dem Torwächter und sprach zu ihm: „Komm mit in meine Kammer, vergesse deinen Treueschwur und liebe mich so leidenschaftlich, wie es mein Gatte täte, wenn er nur hier wäre“.

„Was sprichst du Herrin? wo ist dein Verstand? Denke an Gott! Denke an Deine Ehre!

Vom Wächter zurückgewiesen lief sie, auf Gottes Wink, zu dem nahen Fluss und sprang in das kalte Wasser. Sie blieb so lange darin sitzen, bis sie die Glut der Leidenschaft gekühlt hatte. Dann ging sie zu dem Torwächter zurück, dankte ihm für seine Weigerung und sagte:

„Auch wenn du mir 1.000 Mark Goldes gäbest, würde ich jetzt nicht dulden, um was ich Dich vorher gebeten habe.“

Anmerkung zu dieser Überlieferung des Cäsarius von Heisterbach:
Cäsarius erwähnt eine Burg, die nahe am Fluss lag. Auch hat ihm ein frommer Priester das Geschehen erzählt. Die Neefer Burg liegt nahe am Fluss, und der Pfarrer von Neef/Stuben hatte zu die Priestern in dieser Pfarrei öfters den Kontakt, was ja aus anderen Überlieferrungen so hervorgeht. Und es ist belegt, dass Gottfried von Sponheim an einem Kreuzzug teilgenommen hat, von dem er nicht mehr zurückkam.

 
 
erschienen in:
Heimat zwischen Hunsrück und Eifel, Beilage der Rheinzeitung, Nr. 12, Dezember 1999
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Herles, Helmut - Von Geschehnissen und Wundern des Caesarius von Heisterbach
Bildnachweise:
   
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