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Der Petersberg mit Kapelle und Friedhof von Franz Josef Blümling
In alten grauen Jahren hatten die Neefer ihre Kirche unten im Thale, hier auch begruben sie damals ihre Toten. Die Kirche stand mehrere Jahrhunderte; da machte ihre Baufälligkeit und die zunehmende Zahl der Einwohner eine neue nötig und sie rissen die langgebrauchte ab, um an ihrer Stelle eine andere, schönere aufzurichten.

Alles im Dorfe legte Hand an, mit dem größten Eifer schaffte man die Baumaterialien herbei. Die Bemühungen der Dörfner unterstützten mit Geld und Rath die edlen Fräulein des benachbarten Klosters Stuben. Aber wie erstaunte man jeden Morgen! Steine, Gehölz, kurz Alles, was man gestern zusammengebracht hatte, fand sich heute oben auf der Höhe. Anfangs glaubte man, böswillige Menschen machten sich Nachts den Spaß, der Anstrengungen des ganzen Dorfes auf diese Weise zu spotten. Endlich nach Verlauf mehrerer Tage, wo der Raub sich immer wiederholte, beschlossen die Beherztesten des Dorfes, die Nacht bei dem Herangeschafften zu verbleiben. Erwartungsvoll standen sie da und harrten; siehe, da glitten auf einmal von dem stillen, sternbesäten Mitternachtshimmel leichtbeschwingte Geister hernieder, die man als Engel erkannte. Durchbebt von frommen Schauer fielen die Wächter alsbald auf ihre Kniee und beteten; die heilige Schar aber trug mit Blitzeseile Alles hinauf nach der auserwählten Stelle. Jetzt erst erkannte man den Willen des Himmels; die Kirche wurde am selbigen Orte aufgebaut und neben ihr weihte man den Kirchhof ein. Seit der Zeit, so oft ein Einwohner von Neef stirbt, geleitet man ihn hinauf und legt ihn dort auf luftiger Höhe zum langen Schlafe nieder.

Die Klosterfräulein von Stuben erhielten, ihrer Unterstützung wegen, Theil an der neu aufgebauten Kapelle und an bestimmten Tagen des Jahres sah man die frommen Jungfrauen nach ihr hinaufwallen.

Der Hintergrund dieser Sage könnte folgender sein:

Als für Neef eine neue Kirche gebaut werden musste, da das alte Gotteshaus baufällig geworden war, wollten die Neefer Bürger durchaus wieder ihre Pfarrkirche im Ort haben, was aber dem Kloster Stuben nicht so recht passte.

Der für Neef zuständige Pfarrer war in Stuben untergebracht. Ein ständiger Weg zu seiner Pfarrei wurde ihm wegen der doch etwas weiten Entfernung nicht zugemutet.

Und oben auf dem Petersberg lagen noch Reste einer vormaligen Siedlung aus der römischen und fränkischen Zeit, die sich für den Bau einer neuen Kirche durchaus eigneten. Dies deutete man als einen Wink Gottes (der allerdings der Sage nach seine Engel zum Transport der Materialen auf den Berg einschaltete). So hatten die Gläubigen aus Neef und der Pfarrer aus Stuben jeweils die halbe Strecke zu ihrem Gotteshaus zu verrichten.

 
 
erschienen in:
Paulinus, Trierer Bistumsblatt, 8. August 1993, 119. Jahrgang, Nr. 32
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Menk, Fr. - Des Moselthal’s Sagen, Legenden und Geschichten, Coblenz
Bildnachweise:
   
im nächsten Kapitel: Der gerechte Verwalter
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