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Römisches Straßen- und Wege-Netz - Spuren im Bereich des Hochkessels und des Neefer Petersberges von Franz Josef Blümling
Römerstraßen in unserer Landschaft sind die zur Zeit der römischen Besetzung des Landes nachweisbaren militärischen und bürgerlichen Verkehrswege. Oft decken sich beide Arten. Bei der Besitznahme knüpften die Römer mit ihrem Straßenbau vielfach an vorgeschichtliche, zum Teil bis in die Steinzeit zurückreichende Wege bzw. Trifte an. Für deren Verlauf waren hauptsächlich die Höhenrücken und Wasserscheiden, teilweise auch die Furten und Bäche bestimmend. Diese Wege und Triften wurden von den Römern nach Bedarf benutzt, verbessert und ausgebaut. In Anlehnung daran entstanden im linksrheinischen Gebiet große Heerstraßen, die aber auch dem allgemeinen Reiseverkehr und Handel freigegeben waren . Bei Recherchen solcher römischer Verkehrsnetze können neben geschichtswissenschaftlichen Ausarbeitungen auch Flurbezeichnungen und noch vorhandene auffallende Erscheinungen in der Landschaft hilfreich sein.

In unserer Region führte eine recht bedeutende Römerstraße am Hochkessel vorbei. Sie kam von der Eifel her und verfolgte in etwa die Route über Büchel und Faid, kam den Ellerberg hinab, und überquerte bei Senhals die Mosel durch die alte Fahr nach Senheim. Von hier aus verlief sie dann steil hoch durch den Kniebreeg, durch den Geishellerwald bis zum Hellenbüsch am Hochkessel vorbei in den Hunsrück hinein auf Mainz zu . In der Flur im oberen Neefer Bachtal, am Burgkopf, gab es eine Versorgungsstation für Mensch und Vieh. Eine Abzweigung von der Haupttrasse verlief nun, an der Rinn vorbei auf Neef zu. An der Rinn versorgten sich die Reisenden mit Trinkwasser. Oberhalb dieser Gemarkung bestand schon zur Keltenzeit eine Ansiedlung, die sich Näf - es gab sogar ein Ober-, Mittel- und Unter-Näf - nannte. Diese Siedlung dürfte auch noch zur Römerzeit bestanden haben und musste von dem Anschluss an eine Straßenverbindung abhängig gewesen sein. Auffallend ist nun auch, dass es in der Nähe von Ober-Näf, im Umfeld des Hochkessels, die Flur Ewent auf’m Kessel gab. Dort wurde zur Versorgung der Pferde Hafer avena angebaut, der dann der Villa rustica auf dem Burgkopf zur Verfügung stand.

Der Autor dieser Ausarbeitung erinnert sich noch an einen Schulausflug um das Jahr 1950, als der Lehrer auf Stellen im heutigen Feldweg in der Nähe des Burgkopfes aufmerksam machte. Dort waren deutliche Rillen im felsigen Untergrund eingekerbt. Er erklärte uns, dass diese Spuren von Fuhrwerken aus der Römerzeit stammten würden, die hier lange herzogen. Diese Stellen sind nunmehr von Schotter überdeckt und geglättet worden, damit dieser heutige Wirtschaftsweg besser, insbesondere von der Forstverwaltung, mit modernen Fahrzeugen befahren werden kann. Würde man den Belag entfernen, kämen mit Sicherheit die alten Spuren wieder zur Sicht.

Von der Rinn führte der Weg weiter zur Grave. Diese Flur war in Neef die Gräf. Sie lag dort, wo heute das Moselkraftwerk steht. Der Begriff Grave / Grava kommt aus dem gallischen und sagt aus, dass dort eine Sandbank im Fluss angelandet war. Schließlich wurde an der Fuhrt übergesetzt. An Fuhrten wurden Flüsse mit Fuhrwerken durchquert. Es war dort eine seichte Stelle und zudem eine Insel, welche die Überfahrt erleichterte.


Ausschnitt aus Delkenkamp’s
PANORAMA DER MOSEL 1840

Heute gibt es noch in Neef die Gemarkung Furt, die bis hin zur Mosel reicht und auch noch das Flussbett mit einschließt. Eine Furt deutet auf eine seichte Stelle im Wasser hin, die leicht mit einem Fuhrwerk durchfahrbar war. Heimatforscher Schommers vermutet, dass durch diese Furt römische Transporte zu dem Weinweg gelangten, der in der Eifel in die bedeutende Römerstraße Trier – Köln einmündete . So ist nicht auszuschließen, dass auch Wein aus Neefer Hängen als Handelsware transportiert worden sind. In den südlichen Hängen des Petersberges wurde nämlich schon in der römischen Zeit Wein angebaut, der allerdings größtenteils in die Kehlen der Legionäre, die dort oben angesiedelt waren, geflossen sein dürfte.

Vom Ort aus führte nun auch eine Straße hoch in Richtung Petersberg. Sie verlief durch die heutige Gemarkung Tal. Die Römer nannten dieses Debere, und nun die carn / Kerre hoch, durch die Flur Verkacheln und verweilten vielleicht auf der Phat, wo sie dem Gott Apollo huldigten. Eine heidnische Kultstätte dort oben ist nachgewiesen. Schließlich gelangte man auf den Peterberg, wo die Legionäre auf einer Befestigung ihren Dienst ableisteten.

Ein Weg muss auch an dem nördlichen Abhang des Petersberges hinabgeführt haben, weil dort römische Villen standen. Eine solche stand auch auf einer Insel im Moselfluss. Das Burghaus war im Besitze des ... christlich gesinnten Edelmannes Egelolf, der es zur Gründung des Klosters verschenkte. So wurde das Kloster Stuben auf den Mauern einer vormaligen römischen Villa errichtet.

Flurnamen deren Deutung nicht im Text enthalten sind:

I. Abkürzungen der Literaturquellen

RFN Rheinische Flurnamen, Heinrich Dittmaier
RWB Rheinisches Wörterbuch, Josef Müller
D. K. Was Kelten und Römer uns hinterließen – Die Flurnamen Kern/Kehr, Doris Castor
S.F. Die Siedlungs- und Flurnamen Rheinhessischer Gemeinden zwischen Mainz und Worms, Wolf-Dietrich Zernecke
St.A St. Aldegund an der Mosel, Portrait eines Winzerdorfes, Reinhold Schommers, S. 13

II. Strecke von Senheim bis nach Neef

Kniebreeg = ein steiler Weg, der zum Geishellerwald führte. Er war so steil, dass man befürchten musste, das Knie zu brechen (RFN).

Geis- Geis/Geest = leichter und sandiger Boden
heller- hell = lässt einen Handels- und Fern-Weg vermuten (RFN),
wald der sich im oberen Neefer Bachtal befand
Hellenbüsch und auch durch eine Flur führte, die mit Gebüsch bewachsen war

Burgkopf Auf einer Anhöhe, in der Nähe vom Hellerwald, stand eine römische Versorgungsstation, die von den nachfolgenden Franken übernommen wurde. Diese nannten feste und mit Steinen gebaute Gebäude Borg (RWB).

Rinn Flur am südlichen Hang des Hochkessels. Rinn deutet darauf hin, dass eine durchflossene Bergeinbuchtung (Rinne) zur Wasserversorgung genutzt wurde (RFN).

Näf Oberhalb der Rinn bestand schon zur Keltenzeit eine Ansiedlung, die sich Näf (es gab sogar ein Ober-, Mittel- und Unter-Näf) nannte (RFN). Diese dürfte auch noch zur Römerzeit Bestand gehabt und von dem Anschluss an eine röm. Straßenverbindung profitiert haben

Ewent auf‘m Die Römer nannten den Hafer avena. Zur Versorgung der Pferde wurde hier,
Kessel im Umfeld des Hochkessels in der Nähe von Ober-Näf Hafer angebaut.

Furtborn = eine Flur oberhalb der Furt. Dort gab es einen Born (Quellbrunnen), der sauberes Trinkwasser hergab (RFN).

Grave Diese Flur war in Neef die Gräf. Sie lag dort, wo heute das Moselkraftwerk steht. Der Begriff Grave / Grava kommt aus dem gallischen und sagt aus, dass dort eine Sandbank im Fluss angelandet war (RFN).

Fuhrt An Fuhrten wurden Flüsse mit Fuhrwerken durchquert (RWB). Es war
in Neef eine seichte Stelle oberhalb des Ortes. Zudem war dort eine Insel, welche die Überfahrt erleichterte.


III. Wegstrecke vom Ort Neef hin zum Petersberg und von dort den nördlichen Berghang hinab bis zum Moselufer

Debere / römische Bezeichnung für Kaul / Kuhle. Später nannte sich diese Flur Thal / Delval/Thal Tahl

Kehr/Kerre Wegbiegung (RFN)
Eine andere Deutung fußt jedoch auf dem keltischen Begriff carn. Danach war eine heutige Kehr eine Straßenverbindung, die besonders in der römischen Zeit noch Bestand hatte (D.K.)

Verkacheln Flur liegt oberhalb von Neef - fast auf Bergeshöhe. Hier wurden römische Baureste bei der Bearbeitung des Bodens im Erdreich gefunden und verkachelt/ eingegraben (S.F.).

Phat / Par Phat / pat weist auf ein Heiligtum des Sonnen-Gottes Apollo hin – liegt unterhalb einer exponierten Bergkuppe, wo vermutlich schon die Kelten heidnische Götter verehrten (St.A).

Petersberg Man kann vermuten, dass die Römer diesen Berg nach ihrem Lieblingsheiligen Petrus genannt haben.

 
 
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An vielen Stellen erkennt man noch, wie mit Meißeln, Keilen
und anderen Geräten Felsen abgetragen wurden, um eine Straße anzulegen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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