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Teil I -
1. Burghaus
von Franz Josef Blümling
Die Neefer Burg wurde um das Jahr 900 als Hof- und Verwaltungsgebäude für die Metzer Domkirche St. Arnulf gebaut.

Sie gehörte dem Reich und war somit ein Reichslehen. Zuerst residierten die „Herren von Neef“ in ihr. Es waren dies die Grafen von Sponheim, von Scharfeneck und von Homburg. Sie besaßen die Dorfherrschaft und übten das Hohe Gericht aus.

Später erhielt die Burg, die auch in Urkunden oft als Schloss bezeichnet wird, das Bistum Trier zu Lehen. Und dieses setzte als Vertreter vor Ort die Ritter von Metzenhausen und zeitweise auch die Ritter von Eltz als Amtsleute ein. Sie übten das kleine Gericht aus.

Hervorzuheben ist, dass hier im Burghaus Kurfürst Johann III. als Sohn von Heinrich und Margaretha von Metzenhausen geboren wurde.
Kurz dazu:

- Das Deutsche Reich bestand aus 7 Kurfürstentümern.
- Eines davon war das Erzbistum Trier.
- In diesem war der Bischof gleichzeitig auch Kurfürst.
- Als solcher hatte er uneingeschränkte Herrschaftsgewalt. Er hatte also nicht nur die geistliche, sondern auch die weltliche Macht im Bistum
- und nahm mit seinen Kollegen erheblichen Anteil an der Reichspolitik.
- So wählten die 7 Kurfürsten z. B. auch den König.

Nach Verwüstungsaktionen durch Franz von Sickingen und des Markgrafen Albrecht von Brandenburg fügten dem Gebäude auch die Schweden und Spanier im Dreißigjährigen Krieg erheblichen Schaden zu. Letztere donnerten zwei Tage lang von einer Felsplatte des gegenüberliegenden Vogelsang auf das Gebäude ein und setzten es in Brand.

Sie wurde wieder, allerdings in einem stark reduzierten Umfange, aufgebaut – hat aber ihre einstige Form verloren. Ursprünglich hatte sie 3 Wach-Türme, einen Wassergraben und 24 Dachgauben. Auf einer Landkarte aus dem Jahr 1840 ist ein Turm noch zu erkennen.

Die Bürger hatten übrigens für den Aufbau und auch für Veränderungen am Gebäude aufzukommen. So mussten einmal die Bürger 16 Fuder Wein für den Anbau eines Erkers aufbringen.

Auf einer anderen Karte aus dem Jahr 1511 ist die mächtige Burg in voller Ursprungsgröße erfasst. Bei neuzeitlich vorgenommenen Tiefbauarbeiten im Umfeld der Burg haben aufgefundene Fundamente dies so auch bestätigt.

Nur noch der großen Weinkeller, dessen Kreuzgewölbe auf rechteckigen Pfeilern ruhen und das 4 m dicke Mauerwerk sind Zeugen des ursprünglichen imposanten Gebäudes.

Über die Wollust der Grafenfrau

In der Burg, residierte dereinst Graf Gottfried von Sponheim als Schultheiß für den Ort. Kaiser Friedrich I., auch Barbarossa oder Kaiser Rotbart genannt, hatte 1189 zum Dritten Kreuzzug aufgerufen.

Wie so viele tapfere Adelmannen aus dem Trierer Reich war auch Gottfried dem Aufruf zum Kampf gegen die Heiden, die das Heilige Land besetzt hatten, gefolgt. Und zu Hause in der Neefer Burg verzehrte sich seine Liebste und wusste vor Sehnsucht weder ein noch aus.

Folgendes Geschehnis hat uns der bekannte Mönch und Chronist Caesarius von Heisterbach überliefert:

Der Geist der Unzucht überfiel sie und ließ sie nicht allein. Denn plötzlich war sie so in Glut versetzt, dass sie hin und her rannte und weder stehen noch sitzen konnte, als hätte sie glühendes Eisen im Schenkel. Da sie das Feuer der Liebe nicht ertragen konnte, ging sie, ihre Keuschheit vergessend, hinab zu dem Torwächter und sprach zu ihm: „Komm mit in meine Kammer, vergesse deinen Treueschwur und liebe mich so leidenschaftlich, wie es mein Gatte täte, wenn er nur hier wäre“.

„Was sprichst du Herrin? Wo ist dein Verstand? Denke an Gott! Denke an Deine Ehre!

Vom Wächter zurückgewiesen lief sie, auf Gottes Wink, zu dem nahen Fluss und sprang in das kalte Wasser. Sie blieb so lange darin sitzen, bis sie die Glut der Leidenschaft gekühlt hatte. Dann ging sie zu dem Torwächter zurück, dankte ihm für seine Weigerung und sagte:

„Auch wenn du mir 1000 Mark Goldes gäbest, würde ich jetzt nicht dulden, um was ich dich vorher gebeten habe.“

 
 
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