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Säkularisation unter Napoleon von Franz Josef Blümling
In der Geltung der Stände wird der einfache Bauer auf diesem Stich als gedrückter und verbitterter Mensch an unterster Stelle, an der Wurzel eines Baumes, dargestellt. Symbolisch wird ausgedrückt, dass alle über ihm stehende Stände von ihm profitieren. So der auf dem ersten Ast sitzende Schneider mit seinen Gesellen (vertreten die Handwerkerschaft) und auch die gleich eingestuften Kaufleute. Über diesen rangieren Klerus und Adel, und an oberster Stelle König und Kaiser. Diese satirische Darstellung soll zum Ausdruck bringen, dass der einfache Bauer mit seiner Arbeit und seinen Abgaben alle die über ihm stehende Stände ernährt – so, wie auch die Wurzel für das Wachstum des Baumes zuständig ist.

Schon lange gab es Auflehnungen der Bauernschaft, die sich gegen die Unterwerfungen richteten. So war z. B. der Bauernkrieg (1525 - 1526) eine große Massenerhebung. Er kostete rund 100.000 Bauern das Leben. Sie waren denkbar schlecht ausgestattet und kämpften in blinder Wut u. a. mit Mistgabeln, Dreschflegeln und Äxten. Zudem fehlte es ihnen eine Führerpersönlichkeit. Sie hatten kein Konzept und keine Strategie. Unbestrittener Sieger in der Auseinandersetzung war schließlich das Landesfürstentum, das die Bauernschaft endgültig aus jeglichem politischen Leben ausschaltete.

Schließlich ging Napoleon I., der von 1794 - 1814 das linke Rheinland besetzte und das Departement „Moselle“ gegründet hatte, in rücksichtsloser Härte gegen den Adel und besonders gegen den Klerus vor - getragen von dem Motto der französischen Revolution (1789) „Liberté“ (Freiheit), „Fraternité“ (Brüderlichkeit) und „Egalité“ (Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz)“. Frankreich, wo schon die Revolution (1789) die Kirchengüter säkularisiert hatte, forderte nun auch in „Moselle“ die Aufhebung der geistlichen Fürstentümer, die der Reichsdeputationshauptschluss von 1803 dann auch für Trier vollzog.

So kamen Besitzungen des Adels, der Kirchen und Klöster meistbietend unter den Hammer. Manche Klöster wurden auf Abbruch versteigert. Vorhandenes Inventar und Schätze der Bibliotheken wurden so gut wie verschleudert.

Das Gebäude des vormaligen Klosters Stuben (1792 aufgelöst) wurde in ein französisches Lazarett umfunktioniert. Das in den Gebäuden noch vorhandene Inventar wurde restlos von den Soldaten vernichtet und fand größtenteils im Ofen als Brandmaterial Verwendung.

Die Versteigerung von kirchlichem und adeligem Besitz in Neef:

Vormaliger Besitzer / Objekt versteigert am Preis in Franc Käufer
       
Kloster Stuben
4182 Weinstöcke
im Niederberg
im Schabenberg
im Thal
Baumgarten Stubener Bongard
06.10.1803 3825 Johann Andries, Aldegund
Ein Haus zu Neef mit Stall und Kelterhaus 06.10.1803 670 Jakob Scherer, Cochem
1,27 ha Wiese die Bach hinauf 06.10.1803 1000 Johann Busch, Neef
10600 Weinstöcke im gnädigen Frauenloch 15.12.1803 6575 Peter Barth. Gietzen, Eller
Stierwies 30.08.1810 blieb unverkauft Pächter: Johann Bausch, (?)
       
Erzstift Trier
Weyerwies „welche vom Wasser umgeben“ 27.03.1806 145 Georg Adam Scheid, Neef
       
Stift St. Florin
Haus mit Bering
Kelterhaus
Wiesen:
am Bach hinauf
am Haus
22.05.1805 2350 Johann Gietzen, Neef
Haus
Kelterhaus
Wiese:
Die Bach hinauf
18.12.1806 1825 Franz Rinck, Cochem
       
Kloster Willibrordus Echternach
Mühle mit Wiese u. Niederwald 06.10.1803 1125 Gietzen Peter Barth., Eller
Haus mit Bering
Wiesen:
auf Serkrauf
Dombungert
Auf Trazert
Auf Mühlenbach
Die Bach hinauf
06.10.1803 2525 Hubert Propst, Neef
       
Graf von Manderscheid-Blankenheim
Kelterhaus mit Hof 06.12.1804 250 Johann Gietzen, Neef
       

Es fällt auf, dass kaum noch Besitztümer des Adels in der Versteigerung auftreten. Die Erklärung liegt darin, dass sowohl die Neefer Burg als auch sonstiger vormaliger adeliger Grundbesitz schon 1778 als Reichslehen vom Reich versteigert worden sind.

 
 
erschienen in
 
 
 
 
 
Stich: Der Ständebaum,
Petrarca-Meister 1519 / 20
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Schannat, Johann Friedrich - EIFLIA ILLUSTRATA, geographische und historische Beschreibung der Eifel
Schieder, Wolfgang - Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813
Bildnachweise:
  Stich Ständebaum - Petrarca-Meister 1519 / 20 - Kaiser Gott und Bauer, Die Zeit des Deutschen Bauernkrieges - Günther Jäckel
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