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Sagen und Erzählungen von Franz Josef Blümling
Das Leben im Mittelalter spiegelt sich längst nicht nur in nüchternen urkundlichen Aufzeichnungen und wissenschaftlichen Ausarbeitungen wieder.

Überlieferungen durch Sagen und auch durch Erzählungen unserer Altvorderen, die in phantasievoller und romantischer Weise, oder auch in derber Sprache ohne Umschweife dargestellt und verbreitet werden, haben oft einen konkreten geschichtlichen Hintergrund. Erkennt man diesen und lässt ihn in einen Aufsatz einfließen, dann kann dieser dadurch belebt und auch verständlicher gemacht werden. Sie lassen die Stimmung der damaligen Zeit erkennen. Wir können mitfühlen, weshalb man sich freute und wie gefeiert wurde – aber auch wie die einfachen Bürger allzu oft in Ängsten lebten und wie groß ihre Drangsale waren. Zudem erkennen wir einen tiefen Volksglauben in der damaligen Zeit.

Der Ort Neef, das Kloster Stuben und die Einsiedelei können eine Fülle solcher Überlieferungen vorweisen. So wurde ein gerechter Weinbergs-Verwalter göttlich belohnt. Dämonen bewachten Wingerte. Heimburger soffen um die Wette. Bauern versuchten beim Zahlen des Wein-Zehnten zu tricksen. Weshalb steht die Peterskapelle auf dem Berg? Und warum heißt die Bergkuppe auf dem Petersberg „Eulenköpfchen“? Erstaunlich sind auch die sagenhaften Überlieferungen vom Kloster Stuben. Reliquien wurden verehrt und seltsame Wunder geschahen. Dämonen und Teufel treten auf. Vom Alltagsleben der Nonnen wird überliefert. Menschliche Schwächen und Zweifel bleiben nicht unerwähnt. Einsiedler konnten sehr fromm sein, aber auch eine leicht-lockere Lebensweise haben. Weshalb hießen die Grafen von Neef Spanheimer? Was war nur in die liebestolle Burgfrau gefahren? Grausame und gute Ritter treten in Erscheinung.

Viele dieser Überlieferungen kann man dem bedeutendsten Erzähler des Mittelalters in Deutschland, Caesarius von Heisterbach, verdanken. Er dürfte wohl des öfteren im Kloster Stuben und auch bei den Grafen in der Neefer Burg verweilt haben. Wurde er doch von dem Kloster Heisterbach auf Visitationsreisen geschickt. Ein Schwesterkloster von Heisterbach war die Abtei Maria Laach. Laach wiederum hatte in Neef einen großen Klosterhof. So wird er auch dort gewesen sein und Berichte geschrieben haben. Die Verbindung zu Stuben kam dadurch automatisch, da dieses Nonnenstift die Kirchenhoheit über Neef hatte und die im Neefer Burghaus residierenden Grafen von Sponheim hielten auch über Stuben Gericht.

„Sammelt die Stücklein, damit sie nicht verderben. Ein unwiederbringlicher Verlust wird es sein, wenn etwas vergessen würde und unterginge, was der Nachwelt zur Erbauung dienen könnte“ – empfiehlt Caesarius seinen Novizen im Kloster Heisterbach. „Wenn ich alles erzählen wollte, was zu meiner Zeit Wunder war, das heißt gegen den gewohnten Lauf sich zugetragen hat, mir würde eher die Zeit fehlen als der Stoff“ – fährt Caesarius fort.

Stich: Caesarius belehrt die Novizen
 
 
erschienen in:
Heimat zwischen Hunsrück und Eifel, Beilage der Rheinzeitung, Nr. 12, Dezember 1999
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Herles, Helmut - Von Geheimnissen und Wundern des Caesarius von Heisterbach. 3. Auflage von 1992
Bildnachweise:
  Caesarius von Heisterbach 1180 – 1240, Ausgabe der Universitätsbibliothek Düsseldorf (Dauerleihgabe der Stadt Düsseldorf)
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