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Uralter Qualitätsweinanbau in Neef von Franz Josef Blümling
Schon in der spätrömischen Zeit hatte Römer am steilen Südhang des Petersberges die Weinrebe angepflanzt. Den verwöhnten Gaumen der oben auf der Kuppe stationierten Legionäre wurde somit Genüge getan. Denn der in solchen Lagen geerntete Wein konnte mit den heimatlichen mediterranen Qualitäten durchaus konkurrieren.

Zu dem Weinberg gehörte auch ein Landgut – eine Villa rustica. Im Jahr 486 besiegte Chlodwig I. die Römer. Römischer Landbesitz fiel in die Hände des fränkischen Königshauses und ging als Allodium in Erbfolge an die jeweiligen Nachfolger über. So kam auch das vormalige römische Weingut auf dem Neefer Petersberg in den Besitz des fränkischen Königshauses. Allodium heißt, dass es ein freies königliches Gut war - im Gegensatz zum Zins- oder Lehngut. Solche Königshöfe waren über das ganze Land verteilt und stellten in der Regel den Mittelpunkt eines Burgbezirks dar. Burg/borg nannten die Franken einen vormaligen befestigten / massiven römischen Gutshof.

So gibt es am Südhang des Neefer Petersberges noch heute die uralte Weinlage Burgberg. Und diesen Weinberg mitsamt dem Verwaltungsgebäude, das Allodium Navis, schenkte der fränkische König Dagobert I. (623 – 639) der Metzer Domkirche St. Arnulf. Eine Tochter von König Dagobert II. war Irmina. Sie war die Gründerin des Klosters St. Willibrordus in Echternacht. Als Gründungsgut dieser Abtei wird in einer Auflistung von 698 das Weingut in Neef mit aufgeführt, obwohl es doch zuvor schon St. Arnulf zugesprochen war. Offenbar war die Schenkung von Irmina an St. Willibrord nicht rechtens. So ordnete König Ludwig der Deutschen am 21. November 875 an, dass der Abtei St. Arnulf Navis für den Weinkeller zurück zu erstatteten ist. Als dies nicht erfolgte, wurde diese Restitution nochmals von König Karl III. angeordnet und schließlich durch Bischof Ruotbert von Metz anno 886 vollzogen.

Mehr als 500 Jahre lieferte nun Neef den Messwein für die Metzer Domkirche. Neef war der Hauptweinlieferant für St. Arnulf. Der Wein von hier wurde nach wie vor in der Lage Burgberg geerntet, die zu einer Großparzelle heranwuchs und sich noch 1832 vom Kloster Stuben bis oberhalb des Ortes Neef hinzog (die heutigen Lage Frauenberg, Petersberg und Rosenberg).

Solcher Messwein musste naturbelassen sein – durfte also nicht aufgebessert werden. Er kam deshalb stets aus allerbesten Lagen und spielte in Liturgie des Christentums eine wichtige Rolle. Zu jener Zeit wurde den Gläubigen das Abendmahl noch in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) gereicht. Auf kirchlichen Einfluss dürfte es auch zurückzuführen sein, wenn in den Jungtagen des Moselweinbaues das Rotweingewächs überwog. Die Kirche bevorzugte den Rotwein, um bei der eucharistischen Feier des Messopfers der natürlichen Farbe des Blutes näher zu kommen. So wird auch im Neefer Burgberg die rote Traube geerntet worden sein.

Noch 1084 bildete das Neefer Gut den nördlichsten Punkt des Klosterbesitzes. Wegen der langen Transportwege veräußerte es die Arnulfsabtei 1139 an die Abtei Maria Laach für insgesamt 130 Silbermark, was in jener Zeit eine stattliche Summe darstellte und den hohen Wert des Neefer Gutes bestätigt. Das Mönchkloster Laach machte nun das Burghaus in Neef zu einem bedeutenden Hofkomplex, der als Sammel-, Verarbeitungs- und Verschiffungsstelle aller an der Mittelmosel zustehender Weinabgaben über Lagerungskapazitäten, Kelter und Anlegestellen verfügte. Neef wurde für die Abtei zum Zentralort für ihre Besitzungen in Pünderich, Briedel, Bremm, St. Aldegund und Kindel.

Mittlerweile hatte sich das Grafengeschlecht derer von Sponheim in der Mosellandschaft stark gemacht. Ab dem Jahr 1200 erscheint das Laacher Gut in Neef nicht mehr im Besitztum der Eifeler Mönche. Fortan treten die Grafen von Sponheim als die Gutsherren auf. Und prompt wurden die Neefer Grafen die Truchsessen des Pfalzgrafen. Im Heidelberger Schloss, wo der Regent residierte, waren sie zuständig für die Tafel des Hofes. So dürfte auf dieser auch mit Neefer Wein angestoßen worden sein.

Als durch Heirat des Grafen Johann von Homburg in den Besitz der Neefer Güter kam, vermachten er und seine Ehefrau Irmgard am 2. September 1419 dem Echternacher Sankt Willibrordus-Gotteshaus den Neefer Besitz und erhielten dafür ewiges Seelenheil zugesprochen.

Anno 1466 musste das St.-Willibrordus-Gotteshaus eine Pfändung einlösen. So kam ein großer Teil der Neefer Weinberge an das Stift St. Florin in Koblenz. Diese machten in den Jahren 1679 bis 1682 immerhin 14951 Stöcke aus – neben 60 Wiesen, 5 Wohnhäuser, 1 Garten, 3 Bauplätze und 7 weitere Plätze.

Seit der Gründung des im Neefer Gericht gelegenen Klosters Stuben (1137) vermehrte sich der Weinbergbesitz der edlen Frauen, wie sie in der Literatur auch schon mal genannt werden, stetig. Schließlich besaßen die verwöhnten und trinkfesten Adels-Töchter den größten Teil der Weinberge am Südhang des Petersberges. In Erinnerung an diese Entwicklung wurde ein Großteil des vormaligen Burgberges der heutige Frauenberg.

Sowohl das Stift St. Florin in Koblenz als auch die Klöster in Echternach und Stuben hatten erheblichen Weinbergbesitz bist zur Säkularisation im Jahre 1803 in Neef. Er kam durch Versteigerung an die Bürger.

Es waren vor allem die Weinberge in den guten Lagen, die dem Ort Neef eine geschichtliche gegeben haben. Am Südhang des Neefer Petersberges werden noch heute mit die besten Trauben des gesamten Moseltales gelesen.

 
 
erschienen in
Sonderbeilage der Rheinzeitung "Heimat zwischen Hunsrück und Eifel" am Samstag, dem 08.09.2012
 
 
 
 
 
 
 
Die frühere Domkirche in Metz
 
 
 
Literaturnachweise:
Landeshauptarchiv Koblenz, Abtei S. Willibrordus, Abteilung 231, 15.
Adam Goerz, Mittelrhein-Regesten, Teil I.; Nr. 698, Teil I, Nr. 1335;
Eugen Ewig, Der Fernbesitz von St. Arnulf/Metz in den alten Diözesen Trier u. Köln, in: Rhein.
Vierteljahresblätter, Jahrgang 50, (1986), S. 17 nebst Anmerkung ‚7’; S. 17, nebst Anmerkung ‚8’
G. Wolfram, Kritische Bemerkungen zu den Urkunden des Arnulfklosters, in: Jahrbuch der Ges. f. lothr.
Gesch. u. Altertumskunde I, 1888/89, S. 40 – 80, bes. S. 48 unter ‚18.’, S. 59, 70 – 74; Seite 59
Ferdinand Pauly, Siedlung und Pfarrorganisationen im alten Erzbistum Trier, in: Rhein. Archiv, Veröffent. d.
Inst. für gesch. Landeskunde der Rheinlande Universität Bonn, Ausg. 49, S. 147 u. 148
Georg Bärsch, Der Moselstrom von Metz bis Coblenz (1841), S. 391
Heinrich Beyer, mittelrheinisches Urkundenbuch, Band I, Nr. 530, S.588
Margit Müller, Die Benediktinerabtei St. Arnulf zu Metz im hohen Mittelalter, (Trierer Historische
Forschungen, Band 21) 1993, S. 15, 39, 234, 237, 247, 376
Cam. Wampach, Urkunden und Quellenbuch zur Geschichte altluxemburgischen Territorien
Johann Peter Brimmeyr, Geschichte der Stadt und Abtei Echternach
 
Bildnachweise:
Stich aus Life of the Moselle, Octavius Rooke  
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