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Die Geschichte der Volksschule - insbesondere der von Neef von Franz Josef Blümling
Bereits Karl der Große forderte in allen Pfarreien Schulen. Jeder solle im Lesen, Schreiben und Rechnen unterrichtet, nötigenfalls sollte „mit Schlägen und Fasten bei Wasser und Brot gezüchtet werden“.

Wie überall, so war auch in Neef die Entwicklung der Schule Angelegenheit der Pfarrgemeinde. Da der Ort unter der Kirchenhoheit des Klosters Stuben stand, gingen die Anfänge einer schulischen Unterweisung der Kinder von diesem Kloster aus, das somit mitverantwortlich für einen organisierten Schulbetrieb war.

Körperliche Züchtigung durch den Lehrer war bis Mitte des 18. Jh., zumal in ländlichen Schulen, noch gang und gäbe. Wer hierzulande in den 40er und 50er Jahren eine Volksschule besuchte, wird sich an diese Situation sicherlich noch gut erinnern können.

Bereits im Jahre 1622 forderte Erzbischof Lothar von Metternich auf, dass jede Pfarrei ihre Volksschule haben sollte, welche vom Pfarrer, Lehrer oder Küster zu betreuen sei.

Bezüglich der Person des Lehrers fordert Erzbischof Johann Hugo im Jahre 1678, „ ... dass Männer erprobten Lebens und erprobter Kenntnis an den Schule anzustellen seien“.

Neben einem Schulgeld erhielt die Lehrperson in der Regel auch Naturalien, oder die Gemeinde teilte ihm Weinberge, Felder und Wiesen zu. Diese Umstände haben damals, als es den Bauern im Allgemeinen wirklich schlecht ging, oft zu unerquicklichen Verhältnissen geführt, ja, manche Gemeinden sahen in ihrer Schule eine schier unerträgliche Belastung. Wegen der meistenorts sehr mangelhaften Besoldung der Lehrer war der Andrang fähiger Männer zum Amt eines Schulmeisters sehr gering, und viele Schulstellen blieben jahrelang unbesetzt.

Während der Lehrer zwei Schüler beim „Nachsitzen“ beschäftigt, geht seine Frau ihren Hausarbeiten nach. Es gab keinen eigenen Schulraum. Der Unterricht fand in der Wohnung des Schulmeisters statt.

Eine Visitation aus dem Jahre 1778, die im Auftrage des Trierer Bischofs durchgeführt wurde, beurteilt den Zustand der Schule in Neef als „gut“.

In der napoleonischen Zeit wurde die Regelung des Schulwesens Angelegenheit des Staates. Erst unter Preußens Herrschaft, also 1815, wurde das Schulwesen einheitlich geregelt. Der Schulzwang wurde angeordnet, auch in den Sommermonaten musste die Schule besucht werden, eine bessere Besoldung der Lehrer trat ein, Schulhäuser und Dienstwohnungen wurden gebaut.

Mit dem Schulzwang konnte man sich auf dem Lande großen Teils nicht anfreunden. Brauchte man doch die Kinder für vorgesehene Arbeiten im Haushalt, im Stall, auf dem Felde und vor allem im Weinberg. Ein Kompromiss mag von zuständigen Stellen zugebilligt worden sein, in dem man sogenannte „Heuferien“, „Weinleseferien“ und „Kartoffelferien“ anordnete.

Wie schwer es war, bei der Landbevölkerung den Sinn für eine gute Allgemeinbildung zu wecken, mag die Tatsache beweisen, dass der Gemeinderat von Neef noch 1876 den Gesangsunterricht für Mädchen mit der Begründung ablehnte, dass dieser „ ... für einfache Bürgertöchter wie hiesigen Orts nicht nötig erachtet, auch nicht für unbedingt zwecklich angesehen werden kann.“ Zwei Monate später verfügt dann aber die Regierung, dass Gesangsunterricht erteilt werden muss und die Gemeinde dem Lehrer Helten dafür 30 Mark jährlich zu zahlen hat.

Nichts spiegelt den Zeitgeist besser wider, als die Bedingungen für den Unterricht. Hier sei als Beispiel der Geschichtsunterricht angeführt:

1872 heißt es: „ In der Geschichte sind aus der ältesten Geschichte des deutschen Vaterlandes und aus älteren Brandenburgischen Geschichte einzelne Lebensbilder zu geben.“

1893 heißt es weiter: „ ... dass ihr (der Jugend) eine anschauliche Darstellung der glorreichen Zeiten gegeben werde, in welchen unsere Könige die Macht Preußens gegründet und gefestigt und dem deutschen Reich seine Einheit wiedergewonnen haben.“

1921: „Der Geschichtsunterricht soll das Bewusstsein der Mitverantwortlichkeit für das Volks- und Staatsganze sowie die Liebe zum Volk und Vaterland wecken.“

1933: „ ... durch alle Jahrtausende bis zur Gegenwart muss die Bedeutung der Rasse gebührend berücksichtigt werden.“ „Ein weiterer Gesichtspunkt ist der völkische Gedanke im Gegensatz zum Internationalen ...“ „Den Geschichtsunterricht aller Stufen muss der heldische Gedanke verbunden mit dem Führergedanken unserer Zeit durchziehen ...“.

1935: Es ist zu erkennen, wohin es in den nächsten Jahren gehen soll. „Der Frongeist des Weltkrieges und seine höchste Tat – der Tod für Volk und Vaterland – sind Grundlagen des Dritten Reiches.“

1939 schreibt mit viel Mut Schulrat Weis in seinem Revisionsbericht: „Der nicht unfähige Lehrer Schneiders scheint durch sein politisches Amt als Ortsgruppenleiter von der Schularbeit abgelenkt zu werden!“

 
 
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Körperliche Züchtigung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
   
Bildnachweise:
  Körperliche Züchtigung - gängige Darstellung
Nachsitzen - Hans Holbein d. Jüngeren - Öffentliche Kunstsammlung Basel
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