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Vom Wunder, welches der Zahn des hl. Johannes bewirkt hat von Franz Josef Blümling
Es befindet sich bei uns (Kloster Heisterbach) ein großer Backenzahn des hl. Johannes des Täufers mit drei Spitzen; wie dieser Zahn zu uns gekommen ist, und was der Herr durch ihn Wunderbares gewirkt hat, will ich jetzt berichten:

Als die Stadt Konstantinopel durch die Kreuzfahrer verwüstet wurde, und die einen hier, die anderen dort Beute machten, nahm der Ritter Heinrich von Uelmen (Ulmen) neben andern kostbaren Reliquien aus der Kirche der hl. Sophia auch jenen Zahn mit. Nach Hause zurückgekehrt, baute er für diese Reliquie, die er im höchsten Grade werth hielt, auf seinem Schloss eine besondere Kapelle, in deren Altar er den Zahn aufzubewahren gedachte. Seine Schwester, die Meisterin auf der Insel des hl. Nikolaus (Stuben), eine Frau, welche sehr viel auf unser Haus hielt, rieth ihm, er möge uns diesen Zahn schenken, konnte jedoch ihren Bruder nicht dazu bewegen. Bald nachher gerieth er in die Gefangenschaft Werners von Bolanden und befahl im Vertrauen auf unser Gebet, man solle uns den Zahn übersenden. Während dessen träumte eine Schwester, Heinrich würde, sobald uns der Zahn übergeben worden sei, aus der Gefangenschaft befreit werden, und das ist auch geschehen. Unser Prior, welcher den Zahn abholte, entging durch die Kraft desselben bei der Fahrt auf dem Rhein einer großen Gefahr.

Graf Heinrich von Sayn hatte einen achtbaren, aber des Verstands beraubten Ritter; in der Hoffnung, derselbe könne sowohl durch die Kraft unserer Heiligthümer, als durch unser Gebet geheilt werden, brachte er den Kranken zu uns. Kaum aber mit dem hochheiligen Zahn berührt, empfand der Ritter die Wirkung dieser Berührung und nur einen Bogenschuss weit vom Kloster entfernt erklärte er sich freudig für genesen.

Es ist dieser Zahn, wie gesagt, groß und stark und um so mehr zu Heilungen geeignet, als er nicht durch den Genuss feiner Speisen abgenutzt ist.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Kaufmann, Alexander - Wunderbare Geschichten aus den Werken des Cäsarius von Heisterbach, Erster Teil
Bildnachweise:
   
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