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Fränkische Flurnamen von Franz Josef Blümling
Orts- und Flurnamen drücken aus, was dort einmal geschehen ist. Bei der Deutung der Bezeichnungen können neben den schriftlichen Überlieferungen die Auslegungen von Namensforschern und auch das noch vorhandenes Volkswissen wichtige Hinweise und Erklärungen bringen. Von den mehr als 130 Neefer Flurnamen fällt eine Großzahl in die fränkische Epoche, was die bewegte Geschichte von Neef in diesem Zeitraum erkennen lässt. Allerdings sind durch die Moselkanalisierung viele Fluren heute nicht mehr vorhanden. Um so wichtiger erscheint es, diese in der Chronik noch einmal in Erinnerung zu bringen. Sie sind in der nachfolgenden Auflistung mit einem * erkenntlich gemacht.

Die Ank liegt in einer engen dunklen Schlucht. Dort konnte man ängstlich werden. Ang deutet Dillmann mit Angst.

Auf dem Assersberg wurde unter freiem Himmel nach fränkischen Recht (assise/assisia) Gericht gehalten.

In der Flur Beinel stand vermutlich ein (Beinen-) Bienenstock.

Im Bonefand (im oberen Bachtal) fand man reichlich Bo(n)ne(n), weil sie dort geerntet wurden. Eine Wetterregel aus dieser Zeit: „Wer ob Bonefaz (5. Juni – Namenstag des hl. Bonifazius) Bohnen setzt, erntet so viele, als Apostel im Himmel sind.“

Oben auf dem Petersberg, ganz besonders in der Braust, brauste fast immer ein heftiger Wind.

Auf dem Burgkopf, gelegen im oberen Neefer Bachtal-Gebiet, wo eine Römerstrasse nach Senheim vorbeiführte, stand vermutlich ein römischer Versorgungshof, der von den Franken übernommen wurde. Ein befestigter mit Steinen gebauter Hof war für sie eine Bork (Burg).

Nach einer alten Überlieferung schöpften in der Osternacht Mädchen am Born schweigend Wasser. Dieses tranken sie und wuschen sich auch damit, um für ein Jahr Frische und Schönheit zu haben. Zudem soll auch das Osterwasser vor Augenleiden geschützt haben. So nennt sich dieser Distrikt, in dem dieser Born (das Brunnenstübchen) liegt, dementsprechend Osterborn.

Den Dinnesweg konnte man nur mit kleinen Schritten begehen (= dinseln), weil er steil und eng war.

In der Ferg (im Gebiet des heutigen Frauenberges) lag eine Fähre, die nach Bremm führte. Und in der Geferg stand das Haus des Fergers, der Fährmannes.

Im Gespreit wurde Spreite (Flachs) angebaut. Die Fruchtkapseln enthalten ölreichen Samen, der zu Ölherstellung verwendet wurde, und aus den Flachsfasern wurden Tücher gewebt.

Mit Ginsterreisern aus dem Ginsterberg wurden Besen hergestellt und auch Backöfen geheizt.

In der Flur Haargarten* wurde Haar, wie man Flachs nannte, angepflanzt. Aus Flachsfasern wurden Seile hergestellt, welche die Halfen für die Weintransporte benötigten. Sie ritten über den Rittweg *, und ihre Pferde zogen die Schiffe die Mosel hinauf nach Metz.


Verarbeitung des Flachses

Wurden Sachen von der Ferg hinauf nach Nevim (so nannte sich ein Ortsteil von Neef) mit größter Anstrengung durch eine Kaul hochtransportiert, dann löste sich aus den Bronchien der Kölch / Schleim, den man ausspuckte. So geschah es in der Kölch-Kaul. In der angrenzenden Schleif wurden auf zusammengebundenen Reisern Bottiche mit der Traubenernte den Berg hinunter geschleift.

Es gab die fruchtbareren Kappesstücker *, die saftige Maiweid * für das Vieh und die Weidenstücker *, wo die Weiden zum Binden der Rebstöcke geschnitten wurden.

Auf der Haustert wurde das geerntete Korn auf Hausten gestellt.

Auf der Rodcheswies konnte Heu gemacht werden, weil zuvor gerodet wurde.

Im Schuhholzwald (später: Schawelswald, dann Schowels) wurde weiches Holz geschlagen, aus dem Holz-Schuhe gemacht wurden.

Auf der Stierwies * weidete der Gemeindestier.

In der Teig wurden Weinreben aufgezogen.

Durch den Wässerling zog sich ein Wassergraben, der in alten Flurkarten noch erkennbar ist.

Im Gebiet des Weiweges, auf dem Kamm des Petersberges, brütet noch heute der Wei (Habicht).

An den Hängen des Zuverberges (Rinnsal oberhalb der Rinn) soll früher Wein angebaut worden sein. Dies wussten noch unsere Altvordern zu berichten. Tatsächlich gibt es in dieser Flur noch auffallend viele kleine akkurat aufgeteilte Parzellen, was eine Nutzung als Wingerte somit nicht ausschließen lässt.

 
 
 
 
 
 
 
 
„Zuber / Zuver heisst dasjenige, was aus dem Zuber (Bottich) von den Trauben, ehe sie noch gestampfet oder getreten werden, von selbst abläuft“.
 
Gutes mostes hab ich vil.
Wem ich den geren geben will.
In disem monat solt du mt gan.
Und solt zu der leber adern lan.
 
 
Eine Rebpflanzung
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Blümling, Franz Josef - Chronik „Naves Historia“; Ehemalige und noch heute aktuelle Flurnamen, die auf eine römische Besiedlung im Bereich des Petersberges hinweisen
Dillmaier, Heinrich - Rheinische Flurnamen
Lienhard, Martin und H. - Wörterbuch der Elsäss. Mindarten
Müller, Josef - Rheinisches Wörterbuch
Zemecke, Wolf Friedrich - Die Siedlungs- und Flurnamen rhein. Gemeinden zw. Mainz und Worms
Bildnachweise:
  Wasserschöpfendes Mädchen - Rooke, Octavius - Life of the Moselle
Rebpflanzung - Drach, Peter - Holzstich aus Petrus de Crescentiss, Ruralia commoda, Spryer
Weinlese -Schaeffler, Johann - Deutscher Kalender, 1498
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