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Flurnamen aus der karolingischen Zeit
bis hin zur Neuzeit
von Franz Josef Blümling
Der Deutung örtlicher Flurnamen muss man große Bedeutung zumessen, wenn man eine Dorfgeschichte recherchiert. Schließlich drücken diese Benennungen aus, was dort einmal geschehen ist. Eine unverzichtbare Hilfe geben dabei die Studien von Namensforschern, die auch die Dialekte der einzelnen Gebiete kennen und auslegen können. Nicht zu unterschätzen ist auch das Wissen alter Bürger, die selbst, oder auch von ihren Altvorderen überliefert, noch Aussagen von einzelnen Plätzen machen können, die oft eine letzte Erkenntnis zulassen.

In Neef gibt es überaus viele Flurnamen zu deuten, was zu erkennen gibt, wie bewegt die Geschichte des Dorfes ist. Die Benennungen treten in Urkunden und sonstigen schriftlichen Überlieferungen auf und sind zum Teil auch noch im Kataster eingetragen. Durch den Bahnbau, die Moselkanalisierung einschließlich der Errichtung des Kraftwerkes und auch wegen der Flurbereinigung sind viele Fluren nicht mehr vorhanden, oder als Großparzellen zusammengelegt und umbenannt worden.

Einige Flurnamen stammen auch noch aus der Zeit, als der Stubener Wald noch der Gemarkung Neef zugeordnet war – siehe hierzu Punkt „38.“ der Chronik.

Ackergarten   Gartenland
Baiersberg   Baiass nannte man im Mittelalter einen Narren / Tölpel. Ein solcher könnte einmal dort gewohnt haben. Ältere Neefer Bürger können sich noch an ein dort stehendes kleines Haus erinnern.
Bei der Mühl   lag im Gebiet der Treis-Mühle
Bor   eine Wasserstelle, Born genannt, im Oberdorf
Clopsteyns Wingert   lag im Gebiet der „Rabelei“ (siehe dort). Hier wurden aus einer Felswand Steine geklopft. Es gab aber auch Weinberge dort.
Dombungert   Um den Hof der Metzer Domkirche St. Arnulf war ein Baumgarten - ein so genannter Bungert.
Erdfall   Um das Jahr 1800 fiel nach einem großen Unwetter die Erde vom Berg hinunter.
Erzgrube   In ihr wurden einmal Silber-Erze gegraben.
Eulenköpfchen   Herkunft der Bezeichnung hat eine besondere Geschichte (siehe Inhalt Punkt 20. d)
Frauenberg   Die Klosterfrauen von Stuben hatten dort erheblichen Weinbergsbesitz. Er war der Berg der Frauen.
Galgenkopf   Strafvollzugstätte im oberen Neefer Bachtal, wo mit einem Galgengerüst durch Hängen zum Tode bestraft wurde.
Geig   Geige nannte man einen Wingert, der 1 Morgen Land groß war.
Vorderes und
hinteres Geißloch
  Verwilderte Geißen traten immer wieder auf und konnten zur Plage werden. Sie fraßen oft ganze Wälder kahl. Es gab dann den behördlichen Befehl, alle Geißen abzuschießen.
Geiseberg   dto.
Geiskopf   dto.
Gezweig   Grundstück wurde in zwei Parzellen aufgeteilt - gezweigt.
Gosent   Goss nannte man einen Abflussgraben, der auch in dieser Flur heute noch so vorhanden ist – (T)ent(e) steht für Bude / Schuppen. Oberhalb von Gosent liegt der „Kohlswald“ (Köhlerwald). Vermutlich hielt sich in Gosent ein Köhler auf.
Junger Wald   Anno 1582 ordnete der Kurfürst an, am „hohen Kastell“ (unterhalb des Hochkessels) den Wald aufzuforsten. Diese Flur hieß danach „Junger Wald“.
Kapell   Hier stand in der fränkischen Zeit eine Kapelle, die erste Kirche für Neef. (siehe Punkt 7 der Chronik)
Kempelwies   Einen Tümpel nennt man heute noch im Dialekt „Kempel“. Direkt an der Mosel war vor der Moselkanalisierung eine Wies(e) mit „Kempeln“.
Kleis, Gleis, Cleye, Klei   ist mit kleben / kleiben zu übersetzen. In dieser Flur ist auch das Erdreich sehr tonhaltig und klebrig. Dort findet man alte klobige Ziegelsteine. Daraus kann man schließen, dass es dort einmal eine Ziegelei gab.
Kletsch   Dort gibt es eine „kletschige“ (klitschige) Tonerde.
Kohlswald / Kögelswald   Hier brannte der Köhler die Holzkohle, die für die Schmiede unabkömmlich war.
Kingoltwiese   Auf dieser Wiese traten Kaninchen auf; „Küngel / Kunigel“ heißt im Moselfränkischen Kaninchen.
Kühweg   über ihn zogen Kühe Karren auf die „Schopp“ (siehe dort)
Kunoweg   geht durch den Geisberg. Er wurde als Arbeitsbeschaffungsmassnahme des Regierungspräsidenten Kuno in den 1920er Jahren angelegt.
Leiekehr   liegt im Gebiet der Kehr – wo es viele Leien (Schiefersteine) gibt
Lindkaul   Dort, in dieser Kaule, stand eine Linde.
Oder: Diese Kaul lag geschützt, und es herrschte dort ein lindes Klima.
Merles   genannt nach Amsel / Drossel; lat. „merula“, die man dort offenbar viel angetroffen hat.
Mittelberg   mittelhohe Bergfläche – geeignet zum Anbau von Korn und Kartoffeln
Mittelberg   Weinbergslage oberhalb des Ortes inmitten eines Berghanges
Mühlboden   Es gab in Neef zwei Mühlen. Diese Flur lag im unmittelbaren Gebiet der Mühlen.
MühlBerg   dto.
Mühlbach   dto.
Mühlbüschen   dto.
Navis   So nannte sich 1832 noch der Ortskern (wie Neef schon 875 urkundlich erwähnt wurde – siehe Chronologie)
Neefer Bach   Gelände um den Bach - auch „Neefer Bachtal“ genannt
Neueberg   Um das Jahr 1900 wurde dieser Hang neu als Weinbergsgelände erschlossen.
Neidgarten   vermutlich der spätere „Neugarten“, um den man die Eigentümer beneidete - um den man neidisch war - sehr gutes und fruchtbares Ackerland
Neue Weg   Um das Jahr 1900 fing man an, im Neefer Bachtal Reben anzupflanzen. Der bisherige Weg war zu schmal. Es wurde ein neuer Weg angelegt
Neugarten   Ortsbezirk von Neef – zuvor Gartenland – siehe bei „Neidgarten“
Niederberg   niedriger Berg; vermutlich andere Bezeichnung für Sauent
Niederwald   Hier wuchsen niedrige Hölzer, wie Büsche und Hecken.
Oberdorf   der obere Teil des Dorfes
Obststücke   hier wurde Obst geerntet; lag auf "Sauent" - siehe dort
Peters-Heck   Niederwald im felsigen Hang des Petersberges
Peters-Weg   früherer enger Weg zum Friedhof, worauf die Toten zum Grab getragen wurden
Rabenlei   Lei = Schiefer. In dem dortigen Felsmassiv nisten immer noch Raben. Heute: Teil des Frauenberges
Reichertsberg   Reich/Rech wird mit „an größerem Hang liegender Acker“ gedeutet.
Reiterswald   gehörte zum Kurfürstlichen Revier; später „Schopp“ (siehe dort) genannt; Vermutlich öfters beritten von kurfürstlichen Herrschaften und Jägern
Reiz   Ortsteil von Neef
Geständnisse wurden vom Gericht durch die Ausführung „peinlicher Befragungen“ an dem Verklagten herausgereizt. Dazu wandte man ein besonderes Foltergerät, eine Reiz, an. Die Reiz liegt unterhalb des „Assersberges“, wo schon in der fränkischen Zeit Gericht gehalten wurde. (siehe Inhalt Punkt 7)
Ringelwies   eine Wiese mit vielen Ringelblumen
Oder: Die Ringelwies lag angrenzend vom „Assersberg“ = Gerichtsberg (siehe Inhalt Punkt 9 Fränkische Flurnamen). Der Gerichtsplatz lag unter freiem Himmel. Oft wurde auf einer Wiese ein „Ringel“ (Kreis) abgesteckt, innerhalb dessen dann das Gericht statt fand. Daher auch noch der Ausdruck „zu Ding (Gericht) und Ring stehen.“
Rumpenheim /
Rumpenkirchen
  Bergsiedlung in der karolingischen Zeit auf dem Petersberg (siehe Inhalt Punkt 19)
Sauent / Sauenter   früher Obst, Weide und Gartenland; heute Weinbergsgelände
liegt am Ende (-ent) des Ortes, wohin die Sauen getrieben wurden.
Sauenter-Wiesen   dto.
Sauenter-Wasen   dto.
Schieferhaus   lag weit ab vom Dorf. Hier wohnte vermutlich der Schinder, der als sogenannte „unsaubere Person“ von der Dorftgemeinschaft gemieden wurde und Tierkadavern das Fell abzog. (siehe unter „Tiergarten“). In der Regel war der Schinder auch Scharfrichter/Henker.
Schlag-Reg (im ...)   Schlag = Abteilung des Waldes in der Forstwirtschaft
Reg = Grasstreifen
Schopp / Schoppeberg   genannt nach einem „Schopp“, einem Schuppen, der hier einmal stand und bei Unwettern Schutz gewährte.
Speierwald   Wald mit einem Wasserdurchlauf; herkommend von spuye, spije, spoy, spey = Wasserdurchlass / Schleuse
Stegwiese   war über einen Steg zu erreichen – lag in der Nähe der Treis-Mühle
Steil   Flur mit steilem Abhang
Steinchen   Boden bestehend aus vielen kleinen Steinchen
Stern(e)berg   Die Grafen von Blankenstein unterhielten in Neef ein Kelterhaus. Die letzte Regentin des Geschlechtes war verheiratet mit dem Grafen Christian von Sternberg.
Vermutlich wurden die Trauben aus dem Stern(e)berg, der in der allerbesten Lage von Neef lag, in dem Kelterhaus der Grafen von Blankenstein gepresst.
Stierwies   Flur auf "Sauent" - (siehe dort) Es gab auch eine Stierwies am Rande von Neef - direkt an der Mosel
Stuben / Stuven   Dort stand das Kloster. Name kann einmal Bergabsatz bedeuten; kann aber auch die Überlieferung bestätigen, wonach die Nonnen zuerst in Stuben (Kammern) eines vorhandenen Hauses gewohnt haben, bis das Kloster fertig erstellt war.
Stubener Bongert   Baumgarten des Klosters in Neef – in der Nähe von verschiedenen Höfen.
Thal   Weinbergslage oberhalb von Neef in einem Tal gelegen
Tiergarten   Vermutlich hatten dort zuerst die „Herren von Neef“ einen Tiergarten. Später wurden dort Tierkadaver vergraben - lag im Distrikt "Sauent" (siehe dort)
Totengasse   Von der Mathiaskirche aus wurden die Toten durch die Totengasse, über den Petersweg in einer Prozession zum Friedhof auf den Petersberg getragen.
Trotzert   Vermutlich hat hier, im nahen Umfeld des Gerichtes, ein Verklagter der "Peinlichen Befragung" "getrutzt" / getrotzt. In Überlieferungen wurde diese Flur auch „Tratzert“ und „Trutzert“ genannt.
Unterdorf   unterer Teil des Ortes Neef
Verrissener Berg   Unwetterartige Regenfälle haben den Berg zerrissen
Viehtrift   Weg zur Gemarkung "Sauent". Über ihn wurde das Vieh zur Weide getrieben.
Weidentheile   Hier waren die Weidensträucher angepflanzt, die zum Binden der Weinreben benötigt wurden.
Weierwies   Wiese am Mühlenweier
Wenneberg   Flur wendete vom Weinbergsgelände zum Waldgebiet.
Wommeg   ein Waldgebiet, wo noch heute der Dachs (Wom) zu Hause ist.
Zech   Weinberge wurden zum Teil auf 40 Jahre verpachtet. Diese Stücke insgesamt bildeten eine „Zeche“. Ein einzelner Weinberg war ein „Zechwingart“ und die Tauben daraus die „Zechtrauben“.
Zum gnädigen Frauenloch   Weinbergslage um den Stolleneingang der Erzgrube (siehe auch unter „Erzgrube“)
Zweibach   Die untere Neefer Mühle wurde von dem so genannten „Mühlbach“ betrieben. Von der Mühle aus flossen zwei Bäche in die Mosel: der „Mühlbach“ und der eigentliche „Neefer Bach“. So nannte sich das Gebiet „Zweibach“.
     
 
 
erschienen in
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Diese Flurkarten zeigen den Waldbestand des Klosters St. Willibrordus zu Echternach in Neef und auch die Wiesen im Neefer Bachtal nebst Mühlenteich
 
 
 
Literaturnachweise:
  Dittmaier, Heinrich - Rheinische Flurnamen
Flurkarte von Neef aus dem Jahr 1832
Gorenflo, Roger M - Baugeschichte der karolingischen Pfarrkirche in Rüsselsheim-Königstädten
Lienhard, Martin u. H. - Wörterbuch Elsäss. Mundarten
Meyer-Lübke, W. - Romanisches Etymologisches Wörterbuch
Müller, Josef - Rheinisches Wörterbuch
Pauly, Ferdinand - Siedlungs- und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier
Schade Oskar - Altdeutsches Wörterbuch
Schieder, Wolfgang - Säkularisation und Mediatisierung in den vier rheinischen Departements 1803 - 1813
Schommers, Reinhold - St. Aldegund / Mosel, Portrait eines Winzerdorfes
Weber, Jakob - Römische Gewölbekeller in Boos, Leben auf dem Lande in römischer
Zernecke, Wolf Friedrich - Die Siedlungs- und Flurnamen rheinischer Gemeinden zwischen Mainz und Worms
1200 Jahre Rumpenheim, herausgegeben zur 1200-Jahr-Feier des Stadtteils Offenbach a.M.-Rumpenheim, 1970
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