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Wo einst die Römer Wache standen von Franz Josef Blümling
Droben stehet die Kapelle,
schauet still ins Tal hinab,
drunten singt bei Wies’ und Quelle
froh und hell der Hirtenknab’.

Traurig tönt das Glöcklein nieder,
schauerlich der Leichenchor,
stille sind die frohen Lieder,
und der Knabe lauscht empor.

Droben bringt man sie zu Grabe,
die sich freuten in dem Tal;
Hirtenknabe, Hirtenknabe!
dir auch singt man dort einmal !

Der schmale, von der Mosel umflossene Berggrat des Petersberges ist zweifellos einer der landschaftlich schönsten Punkte des gesamten Moseltales. Recht schnell stellt sich den vielen Besuchern dieses schönen Fleckens die Frage, weshalb gerade hier auf dem Berg die Neefer ihre Verstorbenen begraben und das schon seit frühester Zeit. Ein bescheidenes Grab hier oben auf dem Berg kann für jeden Neefer die aufwendigste Gruft der Welt nicht ersetzen.

Die Legende berichtet, Gott habe auf wunderbare Weise seinen Willen kund getan, dass die Kapelle auf dem Berg erbaut werden sollte. In drei aufeinanderfolgenden Nächten seien Engel herniedergestiegen und hätten das Baumaterial, das zur Errichtung einer neuen Kirche im Ort vorgesehen war, auf den Berg getragen. Der damalige Pfarrer, der selbst Nachtwache hielt, soll Zeuge dieses Geschehens gewesen sein. Auch wird berichtet, dass die Klosterfrauen von Stuben zur Errichtung der Kapelle Geld gespendet haben.

Was überliefern uns jedoch nüchterne Aufzeichnungen aus jener Zeit von Geschehen um den Neefer Petersberg mit seiner Kapelle und dem Friedhof? Anno 1137 wurde das Nonnenkloster Stuben am Fuße des Petersberges gegründet. Es erhielt als Grundausstattung eine reiche Stiftung des Edlen Egelolffus, was ein kleines Burghaus mit Kapelle und Hof, Weingärten und sonstigen Besitz auf der damals noch existierenden Moselinsel ausmachte. Erzbischof Albero von Trier schenkte 1140 dem Kloster zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit die Kirche von Neven nebst Gefälle und Einkünften. Es war dies die Capellen auf dem Petersberge. Sie war wahrscheinlich vorerst auch das Gotteshaus für die Nonnen, da die von Egelolffus gestiftete Hauskapelle für das Kloster eigentlich nicht groß genug sein konnte. Der Bau einer Klosterkirche war sicherlich von Anfang an in der Planung, zumal in den Gründungsstatuten festgelegt war, dass bis zu 100 Nonnen in das Kloster eintreten konnten. Bereits 1146 wurde mit dem Bau einer Klosterkirche begonnen, die nach Fertigstellung dem hl. Nikolaus geweiht wurde.

Es wird überliefert, dass die Peterskapelle nicht nur die Pfarrkirche für Neef, sondern auch für die Umgegend war. Mit der Umgegend können nicht die Nachbargemeinden Bremm, Ediger-Eller oder Senheim gemeint sein. Diese Dörfer hatten ihr eigenes Gotteshaus und eine eigene Pfarrei. Auf einer alten Landkarte finden wir neben Neff noch zwei Siedlungen im Bereich des Petersberges, wovon die eine Zurshobon und die andere Rumpenheim oder auch Rumpenkirchen benamt wird. So dürfte eine Dorfgemeinschaft, bestehend aus Neff, Zurshobon und Rumpenheim/Rumpenkirchen die Peterskapelle als Pfarrkirche gehabt haben. Zurshobon lag direkt an der Mosel unterhalb eines schroffen Felsens, was auch lt. Namensforscher Bach die Benennung erklärt. Vermutlich wohnten hier die Beschäftigten des Klosters, wie z. B. Mägde, Knechte, Hirten und Köhler. Rumpenheim / Rumpenkirchen lag hoch auf dem Petersberg. Man benannte die Siedlung vermutlich deshalb so, weil sie aus Trümmern eines römischen Kastells (das man rumpfte) errichtet wurde (wie auch die Benennung von Rumpenheim a. Main erklärt wird), aus denen ja mutmaßlich auch die Peterskapelle gebaut worden ist – die Steine zum Bau lagen dort parat – wie von Gott gewollt.

Seit 1316 war die Peterskapelle nicht mehr die Pfarrkirche für Neef. Diese war nunmehr die Matthiaskirche unten im Ort. Ab und zu wurde jedoch dort oben noch die Messe gehalten, was 1656 nur noch an jedem 3. Sonntag geschah. 1804 wird die Kapelle nur noch bei Begräbnissen gebraucht.

Lange wurden die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg über einen steilen und holprigen Weinbergspfad nach oben getragen. Dies geschah in einem frommen und feierlichen Ritual unter Beteiligung der Dorfgemeinschaft.

Petersbergweg 1981

Im Rahmen einer Flurbereinigung wurde der Südhang des Petersberges regelrecht auf den Kopf gestellt. Der uralte Totenweg mit den alten Kreuzwegstationen wurde von Baggern überwalzt. Seit 1959 werden die Verstorbenen mit dem Leichenwagen über eine asphaltierte Straße nach oben gefahren. Dem modernen Gefährt folgt eine Kolonne von Autos mit den Trauergästen. Ein schönes altes Ritual hat dem Fortschritt Platz gemacht. Der letzte Verstorbene, welcher der alten Tradition nach über den Totenweg zum Petersberg gebracht wurde, war der verstorbene Pfarrer Rauber. Ihm erfüllte man mit dieser Würdigung einen letzten Wunsch.

Während des letzten Krieges wurde die Kapelle sehr stark beschädigt. Die Glocke verstummte. Die Wiederherstellung der Kapelle hatte allererste Priorität. Längst, bevor die Kriegsschäden an den eigenen Häusern beseitigt wurden, gingen die Neefer an den Wiederaufbau ihres Gotteshauses auf dem Berg. Männer trugen die schweren Baumaterialien den steilen Weinbergspfad hinauf zur Baustelle. Mädchen und Frauen, ja sogar Greisinnen und Greise, transportierten Bretter und Wasser nach oben. Auch die Schulkinder beteiligten sich an den Aktivitäten. Als im Jahr 1949 die Peterskapelle wieder hergerichtet war und die Totenglocke aus dem Jahr 1687 gemäß ihrer Inschrift „Ich rufe die Lebendigen und begrabe die Toten“ wieder erklang, ging man daran, die Schäden am eigenen Haus zu reparieren. Nun war für die Neefer die Welt wieder in Ordnung.

Der Altar in der Peterskapelle ist ein gut aufgearbeitetes Werk der Spätrenaissance aus der Mitte des 17 Jh.. In der Mitte zeigt er ein Relief der Kreuzabnahme und seitlich davon die Figuren des hl. Petrus und Paulus. Darüber wird die Auferstehung zwischen den hl. Sebastian und Rochus dargestellt. Auch der Altar hat unter Kriegsschäden stark gelitten.

 
 
erschienen in:
Trierische Volksfreund, Beilage „Mosella“, 23. Dezember 1994
 
 
 
 
Die Petersbergkapelle
 
 
Engel bringen das Baumaterial für die Kapelle auf den Berg.
 
 
Altar vor der Kriegsbeschädigung und Beraubung: Rheinisches Bildarchiv, Köln
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Bach, Adolf - Deutsche Namenskunde
Beyer, Heinrich - Urkundenbuch mittelrheinischer Territorien
Eiden, Hans - Zehn Jahre Ausgrabungen an Mittelrhein und Mosel
Goerz, Adam - Mittelrheinische Regesten
Goerz, Adam - Regesten der Erzbischöfe zu Trier
Günther, Wilhelm - CODEX DIPLOMATICUS RHENO-MOSELLANUS, Urkunden-Sammlung
Hessel, Karl - Sagen und Geschichten des Moselthals
Jungandreas, Wolfgang - Historisches Lexikon der Siedlungs- und Flurnamen des Mosellandes
Kiliani, Wolfgangi - NOVA TOTIUS TRACTUS RHENANI E CONATIBUS Geographicis de scriptio MDCXX
Lehfeld, Paul - Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirks Coblenz
Lorenzi, Philipp de - Beiträge zur Geschichte sämtlicher Pfarreien der Diöcese Trier
Mathar, Ludwig - Die Mosel
Naumann-Humbeck - Studien zur Geschichte der Grafen von Sponheim vom 11. bis 13. Jahrhundert
Pauly, Ferdinand - Das Landkapitel Zell-Kaimt
Rumpenheim am Main, 1200-Jahr-Feier
Uhland, Ludwig - Die Kapelle
Vogts, Hans - Die Kunstdenkmäler des Kreises Zell a.d. Mosel
Bildnachweise:
  Stich von der Peterskapelle - Hauptmann - „Die Mosel“, 1908
Foto von dem Neefer Petersberg - Pellenz, Rainer, Bremm
Bild Engel „Das Moselland“- Wirtz, Richard
Foto „Petersbergweg 1981“ - Bergen, Kurt - Weinort Neef in Wort und Bild
im nächsten Kapitel: Der Altar in der Peterskapelle
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