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Römische Flurnamen in Neefer Gemarkungen... von Franz Josef Blümling
...die auf eine römische Besiedlung im Bereich des Petersberges hinweisen:
Angel Weinbergslage liegt in einem Winkel, was romanisch mit angulus übesetzt wird.
Burgberg Bork nannten die den Römern folgenden Franken einen befestigten Gutshof. Die reine Weinlage Burgberg liegt direkt unterhalb des Berggrates im Südhang des Petersberges. Behauene rote Sandsteine findet man noch immer. So könnte dort eine römische Villa, eine Bork, vielleicht sogar schon ein römisches Weingut gestanden haben, welches die Franken von den Römern übernommen hatten. Der Burgberg war einst riesengroß und zog sich noch 1832 vom Kloster Stuben bis oberhalb des Ortes Neef hin.
Delval / Debere Ist mit Tal, bzw. Kaule (= Dellen) zu deuten. Im südlichen Petersberghang gibt es einige Dellen / Debere (Kaulen).
Manbelder / Manentibus Sehr steile Weinbergslage – schnell war man dort nach unten geeilt. Eilen wird im Lateinischen mit manicare übersetzt. So könnte Weinbergslage die heutige sehr steile Flur Eilgesstücker gewesen sein.
Event Die Römer nannten den Hafer avena. Ein Gelände südlich vom Petersberg ist flach und eignete sich zum Anbau von Hafer – für die Pferde des römischen Militärs, das auf dem Petersberg stationiert war.
Kerre Kehre (Wegkrümmung) nennt sich heute Kehr.
Evtl. auch hergeleitet von cerasus = Kirche; erste Kirche für Neef stand im Gebiet der kehre.
Manbelder wo schon am Morgen (mane) die Gänseblümchen / Massliebchen (bellis) blühen.
Petersberg Man kann vermuten, dass die Römer diesen Berg nach ihrem Lieblingsheiligen Petrus genannt haben.
Phat / Pat Phat / pat weist auf ein Heiligtum des Sonnen-Gottes Apollo hin – liegt unterhalb einer exponierten Bergkuppe, wo vermutlich schon die Kelten heidnische Götter verehrten.
Plenscheid plentre deutet auf eine Rebschule oder Neuwingert hin.
Praumbaum Die Römer kannten schon eine kultivierte Pflaumensorte, die recht groß war und im Laufe der Zeit Praume genannt wurde. Die Flur Praumbaum liegt hoch oben am Südhang des Petersberges.
Rumpenheim anno 1200 noch ein Ortsbezirk von Neef auf dem Petersberg. Rumpenheim am Main führt den Begriff Rumpen auf die Rupfstätte eines römischen Kastells zurück.
Sirveskaul Sir wird mit Schnittlauch gedeutet. Noch heute kann man in dieser reinen Weinbergslage den wilden Schnittlauch ernten.
Verkacheln Römische Baureste wurden bei der Bearbeitung des Bodens in der reinen Weinbergslage Verkacheln gefunden und verkachelt / eingegraben.
Zerben zerben = sich umdrehen. Auf den steilen Hängen des Petersberges sollte man sich, bevor man weiterging, umdrehen – sich absichern.
   
   
...und außerhalb des Petersberges:
Furt An Furten wurde ein Fluss durchquert. Es gab nur in Städten wie Koblenz und Trier Brücken. In der Neefer Furt war eine Insel, die das Übersetzen erleichterte. Es kann vermutet werden, dass die Römer durch diese Furt schon Weinfässer karrten – den „Weinweg“ in St. Aldegund hoch bis hin in die Eifel wo die bedeutende Römerstraße Trier – Köln verlief.
Geisheller Wald Geis = leichter und sandiger Boden
Hell = wird von Dittmaier als Handels-, Heer- und Fernweg gedeutet, liegt im Waldgebiet des oberen Neefer Bachtales
Hellenbusch Wald ein besonders auffallender Busch am römischen Weg durch den Geisheller
Kniebreeg steiler Fußweg, der leicht die Knie brechen ließ – auch im Bereich des Geisheller Waldes
   
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Literaturnachweise:
  Dittmaier, Heinrich - Rheinische Flurnamen
Flurkarte von Neef aus dem Jahr 1832
Gorenflo, Roger M. - Baugeschichte der karolingischen Pfarrkirche in Rüsselsheim-Königstädten
Mathar, Ludwig - Die Mosel
Meyer-Lübke, W. - Romanisches Etymologisches Wörterbuch
Müller, Josef - Rheinisches Wörterbuch
Pauly, Ferdinand - Siedlungs- und Pfarrorganisation im alten Erzbistum Trier
Schade, Oskar - Altdeutsches Wörterbuch
Schommers, Reinhold - St. Aldegund / Mosel, Portrait eines Winzerdorfes
Weber, Jakob - Römische Gewölbekeller in Boos, Leben auf dem Lande in römischer Zeit
Zernecke, Wolf Friedrich - Die Siedlungs- und Flurnamen rheinischer Gemeinden zwischen Mainz und Worms
1200 Jahre Rumpenheim, herausgegeben zur 1200-Jahr-Feier des Stadtteils Offenbach a. M.-Rumpenheim, 1970
im nächsten Kapitel: Nevim / Neuim in der Frankenzeit
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